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Notfallseelsorge - „Helfen, das Leid zu tragen…“

Der plötzliche Tod eines nahen Angehörigen, der Tod eines Kindes, ein Unfall, ein Suizid oder eine Suizidabsicht, eine erfolglose Reanimation, eine Naturkatastrophe … all dies können Situationen sein, die Erwachsenen aber auch Kindern und Jugendlichen nahe gehen und sie ratlos werden lassen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notfallseelsorge im Landkreis Tirschenreuth begleiten Menschen in den ersten Stunden nach solchen schweren Ereignissen. Durch ihre Unterstützung versuchen sie die Auswirkungen psychischer Traumata bei den Betroffenen und deren Angehörigen zu reduzieren.

Das „Notfallseelsorge-Team" in Tirschenreuth (siehe Bild) besteht – wie auch anderorts -  aus Priestern, GemeindereferentInnen und SozialpädgogInnen. Alarmiert werden diese Helfer in der Regel von den jeweiligen Rettungsleitstellen kurz nach dem Ereignis.

Die Begleitung durch die Notfallseelsorger ist ein freiwilliges Angebot. Es ist vom Geist der christlichen Nächstenliebe geprägt. Es richtet sich an alle Menschen,  unabhängig von deren Weltanschauung und Glaubenszugehörigkeit.

„Kinder trauern auf Raten…"

Im Herbst 2018 war das Team der Notfallseelsorge Gast an der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Tirschenreuth. Frau Neumann (Leiterin der Beratungsstelle) referierte zum Thema Kindertrauer. Anschließend wurden mögliche Wege der Zusammenarbeit für betroffene Kinder, Jugendliche und deren Familien diskutiert.

Die kindlichen Reaktionen auf das Sterben eines Elternteils, Geschwisterkindes oder einer nahestehenden Bezugsperson sind sehr unterschiedlich. Gemeinsam ist fast allen Kindern, dass ihre Trauer kein kontinuierlicher Prozess ist, wie etwa bei Erwachsenen. Kinder trauern „auf Raten", um sich vor einer Überforderung zu schützen.

Mit zunehmendem Alter und fortschreitender Entwicklung begreift das Kind die Tragweite des Todes zunehmend vollständiger. Es kommt vor, dass die Trauer mit dem Älterwerden des Kindes erneut durchlebt wird. Dadurch kann die akute Trauer bei Kindern immer wieder aufbrechen.

Kindertrauer kann viele unterschiedliche Gesichter haben. Sie zeigt sich beispielweise durch stille Trauer, Abwehr, Protest, Weinen, Unauffälligkeit oder Unangepasstheit. Vielfach versuchen Kinder erwachsene Familienmitglieder zu schützen, die mit ihrem eigenen Trauerprozess beschäftigt sind.

Die Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen kann an den Beratungsstellen sowohl in therapeutischen Einzel-, als auch Gruppenangeboten stattfinden. Es ist für die betroffenen Kinder wohltuend ihre Trauer auf ihre ganz eigene Art und Weise, im kreativen Tun, in Bewegungsspielen, aber auch im ruhigen Austausch mit anderen zum Ausdruck zu bringen. Ziel der Begleitung durch eine Beratungsstelle ist es ebenso, die Eltern in die Arbeit mit einzubeziehen und betroffene Familiensysteme zu entlasten.

Tirschenreuth im Januar 2019                                                                  Text: Marion Neumann